Die Story!

Wie aus dem Coca-Cola-Club der Nikolausverein wurde.

„Wat bünt i denn für ´n´en Coca-Cola-Club“

So fing eigentlich alles an, und zwar im Jahr 1947.
Als sich die damals 17-jährigen regelmäßig zum Kegeln im Hotel Richters trafen war an den Genuß von alkoholischen Getränken nicht zu denken. Die Ansammlung von Knirpsen und gefüllten Cola-Gläsern reizte einen Gast dazu, den obigen Ausspruch zu tun, womit die Knirpse ihren Namen weg hatten. Er hat bis heute Gültigkeit behalten.
Und es war eben jener Coca-Cola-Club, dessen Mitglieder Hermann Benning, Bernhard Gerwing, Arthur Kalvelage, Wilhelm Leefken und Hermann Nacke vor nunmehr 65 Jahren die alte Tradition des Nikolausumzuges wieder in die Tat umsetzten.

Man schrieb das Jahr 1956, als der erste Umzug auf die Beine gestellt wurde. Der Nikolaus und seine Ruprechts mußten damals noch zu Fuß gehen, da die Clubkasse nicht für Pferde reichte. Auch wurden in den ersten Jahren keine Tüten sondern Bonbons verteilt. Das diese allerdings auch sehr nützlich waren, läßt sich anhand der folgenden Begebenheit belegen.
Als der erste Umzug im Jahre 1956 von der Bahnhofstraße in die Gronauerstraße einbiegen wollte, stand dort der damalige Eper „Ortssherrif “ Karl Schwering im Weg und versuchte den Umzug durch die Agathastraße zu leiten. Ein geistesgegenwärtiger Ruprecht warf einige Hände voller Bonbons in hohem Bogen über Herrn Schwering in die Gronauerstraße, denen unverzüglich eine Horde von Kindern folgte. Dadurch stand Herr Schwering plötzlich und völlig ungewollt mitten im Zug und konnte dessen Richtung nicht mehr ändern. Der Nikolauszug bekam an diesem Tag seine noch heute gültige Route.

Der Nikolausverein, wie er sich seither nannte, merkte sehr schnell, daß eine solche Veranstaltung die Clubkasse arg beutelte. Also wurde am 10.11.57 ein Antrag auf Zuschuß an die Gemeindeverwaltung Epe gestellt. Dieser wurde jedoch am 15.11.57 zur „Vermeidung von Präzedenzfällen“ abgelehnt. Den Clubmitgliedern blieb nichts anderes übrig, als in die eigene Tasche zu greifen, um die Tradition fortzusetzen. Der erste öffentliche Zuschuß in Höhe von 300.—DM wurde für den Umzug 1961 gewährt.



Der Nikolaus machte zusätzlich zu seinem öffentlichen Auftritt am Nikolausabend auch noch Hausbesuche, die nicht selten bis in die späte Nacht dauerten. Besucht wurden die Familien von Clubmitgliedern, Freunden und Bekannten, was auch die ein oder andere Privatspende zur Folge hatte. Auch heute noch sind Privatspenden ein erhebliches Standbein zur Finanzierung des Nikolausumzuges und nicht selten sind die Spender von heute die „Kinder mit den großen Augen“ von Einst.



Mit dem Beginn der Amtszeit von Hubert Behler vor 31 Jahren gab es offiziell für jedes Kind eine Nikolaustüte voller Leckereien. Auch sonst erinnert man sich im Club gerne an die Unterstützung durch Hubert Behler. Als einmal 350 Tüten fehlten fuhr Behler höchstpersönlich los, um die fehlenden Süßigkeiten noch zusammenzukriegen.

An dieser Stelle sei auch an den ehemaligen Direktor der Baumwollspinerei Germania Epe, Herrn Erich Coenen erinnert, der den Nikolausverein immer unterstützte. Diese Tradition wurde bis zu seinem Tod von seinem Sohn Rolf und nun von dessen Kindern fortgeführt.

Natürlich ist auch der Nikolausverein in den vergangenen Jahren nicht von Pannen verschont geblieben aber trotzdem mußte der Umzug niemals abgesagt* werden. (*UPDATE: Ausfall 2020 wg. CORONA), Hochwasser, Sturm  und Regengüssen zum Trotz. Eine eher lustige Panne passierte dem Nikolaus Arthur Kalvelage beim Umzug 1958. Als er sich bei einem Hausbesuch mit seinem großen weißen Bart zu nah an eine Kerze wagte, stand dieser im Nu in Flammen. Das hätte sicherlich schlimm ausgehen können, hätte der Nikolaus nicht einen Schutzengel gehabt.

Auch so mancher Ruprecht mußte schon mal die Hilfe eines Schutzengels in Anspruch nehmen, gab es doch immer mal wieder ein oder zwei Pferde, die von der Musik und den vielen Menschen irritiert, die ein oder andere Pirouette drehten, oder sich auf die Hinterbeine stellten. Doch auch hier gab es niemals ernste Verletzungen zu beklagen, sind es doch immer gute Pferde gewesen, die lange Jahre von der Familie Schulze-Wilmert (Bergesbuer) entliehen wurden.

Betrüblich stimmte die Mitglieder des Vereins der unerwartete Tod von Ruprecht Hans „Wallo“ Wallmeier im Jahre 1987 und dem Mitbegründer und langjährigem Nikolaus Hermann Benning im Jahr 1991.

Der Umzug durch die Eper Innenstadt ist nur ein kleiner Teil der Aktivitäten, quasi das Sahnehäubchen. Der weitaus größere Aufwand findet in den Wochen vorher statt. Leider auch schon traditionell, müssen die letzten Geldmittel irgendwo locker gemacht werden um die Finanzierung zu gewährleisten. Anschließend wird der Inhalt der Tüte zusammengestellt und der Bedarf abgeschätzt. Derzeit werden ca. 2.500 Tüten gepackt, in früheren Jahren waren es bis zu 3.500 Stück.

Insgesamt hat der Nikolausverein Epe weit über 100.000 Nikolaustüten gepackt und verschenkt. Die gesamte Organisation muß, wie man es heute nennt „just in time“ ablaufen. Die Räumlichkeiten zum Packen der Tüten stehen nur begrenzte Zeit zur Verfügung und auch die verderblichen Lebensmittel wie Äpfel oder Apfelsinen können nur kurz vorher angeliefert werden. Da alle Sachen auch am Nikolausabend noch frisch sein sollen, kann das Tütenpacken erst wenige Tage vor dem Umzug stattfinden. Seit langen Jahren werden die Tüten im Saal Welmes gepackt, aber auch das Vereinslokal Schepers mußte dafür schon mal herhalten. Aktuell ist das Tütenpacken mit dem Wirt Willi Welmes in das „Eper Wirtshaus“ gewandert. Gerne erinnert man sich an das Packen in der Werkstatt der Firma Tafel Nacke, die 25 Jahre lang als Räumlichkeit zur Verfügung stand. Martha Nacke sorgte immer für das leibliche Wohl, indem sie Würstchen und Pommes reichte.

Gepackt werden die Tüten von den Familien der Vereinsmitglieder, die diese bei weitem nicht geringe Arbeit mit großen Engagement auf sich nehmen, denn schließlich wird jede einzelne Tüte von Hand gepackt. Nachdem dann alle Tüten verpackt sind, kommt die Freiwillige Feuerwehr Epe ins Spiel. Sie sorgt für den Transport der Tüten und natürlich auch für die spätere Verteilung.

Auch wenn es in der vergangenen 40 Jahren immer mal wieder vorkam, daß es am Nikolausabend regnete und nicht alle Kinder kamen, um Ihre Nikolaustüte in Empfang zu nehmen, so wurden die verbliebenen Leckereien doch dazu benutzt, Menschen eine Freude zu bereiten. Es waren gemeinnützige Einrichtungen, denen die Leckereien zur Verfügung gestellt wurden.

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Aber auch ohne daß es regnete, gab es im Nikolausverein immer ein, fast immer unentgeltliches, zusätzliche Engagement. So fand sich im Jahre 1979 z. B. der Altenclub im Saal Bakenecker ein, um gespannt die Ankunft des Nikolaus und seinem Gefolge zu erwarten.

Aufgrund geschrumpfter Zuschüsse, gestiegener Kosten und erhöhter Preise kommt jedoch auch der Nikolausverein nicht umhin, die ein oder andere Aktivität zu Gunsten einer Spende für den Verein zu tätigen. So war der Nikolaus mit seinem Ruprecht zugegen, als ein Gronauer Autohaus eine neue Fahrzeugserie vorstellte, oder er war noch lange nach seiner Ankunft in der Eper Fußgängerzone beschäftigt, den kleinen Besuchern des Weihnachtsmarktes eine zusätzliche Überraschung zu bereiten. Jedoch werden solche Aktivitäten im Vorfeld sehr genau abgewogen und es wurde schon so manches verlockende Angebot abgelehnt.

Es ist ein Grundsatz der Vereinsmitglieder, keinerlei politische oder kommerzielle Werbung in oder auf die Tüten zu bringen. Darunter mußte z. B. auch der Eper Freibadverein leiden, sicherlich ein Verein, der von den Mitgliedern des Nikolausvereins unterstützt und respektiert wird. Aber die Beilage eines Flugblattes wurde, obgleich lukrativ, abgelehnt. Schließlich kommt es nicht auf die Inhalte an. Unsere „Kunden“ sind kleine Kinder und wir sind sehr stolz darauf, ihnen ein Geschenk ohne Werbung machen zu können. An dieser Stelle sei nochmals allen Freunden und Gönnern gedankt. Es zeugt von Idealismus, eine finanzielle Unterstützung bereitzustellen, ohne einen Gegenwert in Form einer Werbefläche oder einer öffentlichen Bekanntmachung zu erhalten. Großer Dank gebührt auch den vielen Helfern außerhalb des Vereins.

 

Es ist schon ein erhebendes Gefühl, in die großen Kinderaugen zu sehen, die staunend auf den Nikolaus und seinem Schimmel sehen, oder auch mal anfangen zu weinen, wenn ihnen ein tiefschwarzer Ruprecht zu nahe kommt. Begleitet von Nikolausliedern, gespielt von Spielmannszug der KAB Epe und vom Musikverein Epe, bewegt sich der Nikolauszug in Richtung Fußgängerzone.

Von Polizei und Freiwilliger Feuerwehr bewacht, und vom Deutschen Roten Kreuz behütet ziehen Kinder mit Laternen, Eltern mit Kinderwagen, Großmütter und Großväter dem Nikolaus hinterher in die Fußgängerzone, wo er eine Ansprache hält. Kinder aus Eper Schulen sagen Gedichte auf und auch ein hoher Vertreter der Stadt Gronau läßt es sich nicht nehmen, den Nikolaus zu begrüßen. Und noch lange erzählen Kinder an diesem Abend vom Nikolaus, den sie gesehen haben.

Über 65 Jahre lang besucht der Nikolaus am Vorabend des Nikolaustages die Eper Kinder und die Zeichen stehen gut, das es noch viele Jahre so weiter geht. Mittlerweile haben die Kinder der Vereinsgründer das Zepter in die Hand genommen bzw. angereicht bekommen. Sie sind es, die nunmehr seit einigen Jahren als Nikolaus oder Ruprecht durch die Stadt reiten, auf den Spuren ihrer Väter. Das Improvisationstalent und die geballte Erfahrung der „alten Garde“, die natürlich übernommen wurden, sorgt auch heute noch  für ein Gelingen des Nikolausfestes.
So etwas nennt man wohl Tradition und es ist gut das sie gepflegt wird; diese seit seit 1956. In der 3. Generation.

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